, Merz Andreas

Schlittenried

Ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung mit einem kleinen Rest eines Hochmoors

Am südöstlichen Rand des Meggerwalds im Bezirk Küssnacht SZ liegt das Schlittenried. Der Name weist auf die (frühere) landwirtschaftliche Nutzung hin: Riedland, bei dem man Schlitten zum Abtransport der Streue brauchte. Dieses Flachmoor von nationaler Bedeutung besteht aus zwei Teilgebieten. Im östlichen Teil befindet sich eine Riedwiese, im westlichen Teil eine trockenere Sandsteinrippe (mit Restplatz), ein flachmooriger Bereich und ein kleines Hochmoor. Im Bereich der Sansteinrippe und Riedwiesen entfernen Freiwillige seit Jahren erfolgreich Adlerfarn, um der Vielfalt an Pflanzenarten Licht und Platz zu schaffen.

Moore sind stets nass. Ein Moor bilden sich dort, wo Wasser im Untergrund gestaut wird, das Wasser also nicht versickern kann und auch nicht durch Entwässerungsleitungen/gräben abgeleitet wird. Erfolgt die Versorgung mit Wasser mehrheitlich aus dem Untergrund, bilden sich Flachmoore, oft mit einer sehr hohen Pflanzenvielfalt. So wachsen in diesen Gebieten des Meggerwalds verschiedene Orchideenarten, wie z.B. das Knabenkraut.

Wachsen in den Senken von Flachmooren wir hier Moose – sogenannte Torfmoose – wächst das Moor langsam in die Höhe. Da die Bereiche stets durchnässt sind, werden die abgestorbenen Torfmoose nicht zersetzt. Es entsteht Torf – ca. 1mm pro Jahr. Mit der Zeit können sich meterhohe Torfschichten bilden – es entsteht ein Hochmoor. Die Torfschichten sind wie ein grosser Schwamm und saugen das Regenwasser auf (25x mehr Wasser als ihr Eigengewicht). Sie helfen, damit es bei grossen Regenmengen weniger Überschwemmungen gibt. Im Schlittenried verblieb das einzige Hochmoor im Meggerwald. Kleinflächige Relikte von Hochmooren finden sich zudem im Weiherried und im Teufiried. Viele andere Hochmoore im Meggerwald wurden durch Torfnutzung in den Weltkriegen zerstört.

Weil die Torfmoose konserviert werden und als Torf erhalten bleiben, sind Hochmoore auch hervorragende CO2-Speicher. Ist ein Hochmoor ungestört, das heisst mit einem intakten Wasserhaushalt, kann es pro Jahr 1mm wachsen und damit CO2 einlagern - bis zu 10t CO2 pro Hektar. Wird ein Moor renaturiert, z.B. durch Wiedervernässung, kann es durch anaerobe Prozesse anfänglich zu grössere Methanausstosse kommen. Weil die CO2-Speicherfähigkeit über längere Zeit aufrechterhalten wird und sich der Methanausstoss reduziert, ist eine Renaturierung eines Moors immer positiv in Bezug aufs Klima. Wird der Wasserhaushalt eines Moors gestört – so wie hier im Schlittenried – kann ein Moor aber auch zur CO2-Quelle werden, wenn der Torf oxidiert/mineralisiert und damit viel CO2 abgibt.

Weil ein Hochmoor wie eine «Blase» in die Höhe wächst, erneuert nur noch Regenwasser das Wasser im Hochmoor. Die Pflanzen haben also keinen Kontakt mehr zu nährstoffreichem Grundwasser oder nährstoffreichem Boden, weshalb nur noch eine kleine Anzahl an Pflanzenarten – aber sehr seltene und spezialisierte Arten – im nährstoffarmen Hochmoor überleben.

Der seltene Rundblättrige Sonnentau kommt z.B. nur in Hochmooren wie dem Schlittenried vor. Er gehört zu den fleischfressenden Pflanzen. Mit seinen Blättern mit den tentakelartigen Fortsätzen, die ein klebriges Sekret ausscheiden, fängt er kleine Insekten. Sobald ein Insekt daran kleben bleibt, wird dieses vom Blatt umschlungen und verdaut. Die freiwerdenden Nährstoffe benötigt der Sonnentau für das Wachstum. So kann er auch im Hochmoor überleben, wo es von Natur aus kaum Nährstoffe gibt.

Mitten im Hochmoor des Schlittenrieds sind einige Wasserflächen zu sehen. Hier wachsen nebst Seggen und Binsen verschiedene weitere Moosarten. Diese Kleingewässer sind Lebensraum der Kleinen Moosjungfer, eine seltene Libellenart, die sich typischerweise in sauren Moorgewässern entwickelt. Im Schlittenried verlassen die Larven dieser farbenprächtigen Libelle bereits ab Anfang April das Gewässer und schlüpfen zu einer flugfähigen Libelle. Diese können bis Ende Juni in der Umgebung beobachtet werden. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier an erwärmten Wasserstellen über schwimmenden Moosen ab. Bereits nach rund drei Wochen schlüpfen aus den Eiern die Larven. Diese leben dann rund zwei Jahre im Gewässer. 

Entscheidend ist der Wasserrückhalt

Das Schlittenried ist von Gräben in einer Gesamtlänge von rund 170 Metern durchzogen. Zwar sind die Gräben selbst auch ein spannender Lebensraum, etwa für Wasserfrösche, sie entziehen den Moorflächen jedoch Wasser. Damit das Hochmoor im Schlittenried auch künftig seine einzigartigen Eigenschaften behält, ist ein möglichst langer Rückhalt des Regenwassers entscheidend. Vor einigen Jahren wurde deshalb der obere Bereich eines Entwässerungsgrabens mit einer Stausperre aus Holz versehen. Auf einer Länge von rund 10 Metern wurde das Wasser im Graben aufgestaut und so grössere Bereiche des Hochmoors stärker vernässt. Die verbleibenden Gräben entwässern das Hochmoor jedoch weiterhin und so sind grössere Bereich des Hochmoors zu trocken, der verbleibende Torf wird zunehmend mineralisiert und das Wachstum des Hochmoors stagniert. Weitere Einstauungen sind nötig, damit das Hochmoor im Schlittenried langfristig erhalten werden kann.

Hochmoore sind trittempfindlich. Bitte geniesse den Anblick vom Weg oder vom Rastplatz aus. Zwischen Ende April und Ende Juni entdeckst du mit etwas Glück eine Kleine Moosjungfer bei der Jagd nach Insekten.